Aktuell

1. bis 21. Mai

„Chor der Jahre“ im Raum der edition taberna kritika
Monbijoustrasse 69, 3007 Bern

Szenografie: Luca Hostettler

Vernissage am 9. Mai um 19.00 Uhr mit Miriam Jenni, Peter Künzler und Maja Stalder (Horn)

Chor der Jahre

 
Andreas Schwab: Chor der Jahre
 
Vernissage und Performance: 9. Mai 2019, 19.00 Uhr, mit Miriam Jenni, Peter Künzler und Maja Stalder (Horn)
Ausstellung: 1. Mai bis 21. Mai 2019

Digitales Objekt / DOI: 10.17436/etk.c.047
 
wo: etkbooks store
Monbijoustr. 69
3007 Bern 
 

Seit 1996 – mit mehreren Vorläufern – führe ich regelmässig Tagebuch, bis 1999 von Hand in 8 dicken Heften, ab Januar 2000, als ich für ein paar Monate in München lebte, direkt am  Computer. Normalerweise, ausser in den Ferien, in denen ich mich von der Tagebuchpflicht entbinde, entstehen rund 3 bis 6 Einträge pro Woche. In 23 Jahren ist das Tagebuch auf 1572 eng bedruckte Seiten mit rund 5.5 Millionen Zeichen angewachsen.

Typischerweise für ein Tagebuch wechseln persönliche Befindlichkeiten, mit privaten und beruflichen Erfahrungen, mit Betrachtungen über die nähere und die weitere Umgebung, mit (gesellschafts-)politischen Einschätzungen, mit Lektüreerlebnissen usw. Das Tagebuch widerspiegelt Höhen und Tiefen, persönliche Brüche und dramatische Ereignisse, Tragisches und Banales, Privates und Berufliches eines freischaffenden Ausstellungsmachers und Autors, eines Milizpolitikers, Ehemanns und Vaters mit allen wichtigen äusseren Lebensstationen.

Ausser bei der Korrektur von Orthografiefehlern habe ich das Tagebuch nachträglich nicht mehr verändert, höchstens minimal redigiert. Es ist also ein Ausdruck der zum jeweiligen Zeitpunkt aktuellen Befindlichkeit – was selbst für den Verfasser im Abstand von ein paar Jahren Überraschungen bereithalten kann.

Das Tagebuch ist wohl die privateste Schreibform überhaupt, und das soll in diesem Projekt auch beibehalten werden. Nur 11 kurze Ausschnitte von je ca. 250 Zeichen werden pro Jahr ausgewählt, insgesamt etwa 2‘800 Zeichen. Folglich wird nur 1% des Tagebuchs öffentlich gemacht. Die Auswahl habe ich in Eigenverantwortung getroffen. Die restlichen 99% des gesamten Textes bleiben privat, ebenso die Kriterien der Auswahl.

«Chor der Jahre» ist getragen von dem Gedanken, dass ein Leben ohnehin nie vollständig dargestellt werden kann. Jede Autobiografie ist eine nachträgliche Konstruktion, so auch dieser Versuch, selbst wenn die einzelnen Einträge wirklich genau an dem vermerkten Tag entstanden sind. Denn anders als beim monumentalen Erinnerungswerk «Min kamp» von Karl-Ove Knausgård sind die einzelnen Ausschnitte authentisch und nicht aus der Erinnerung nacherzählt. .

Der Ausstellungstitel «Chor der Jahre» spielt darauf an, dass ein Leben in gewissem Sinne mit einen Chor- oder Orchesterwerk vergleichbar ist. Auch ein Leben kann stimmig oder dissonant sein, es gibt wiederkehrende Motive, Begleitrhythmen, Ober- und Untertöne – der Assoziationen gibt es viele, zudem soll die räumliche Inszenierung an einen Blick in den Orchestergraben erinnern.

Die Idee zur Realisierung einer Ausstellung ist mir von Ulrich Suter zugetragen worden. «Im Zug von Lüneburg nach Hannover», entnehme ich meinem Tagebucheintrag vom 7. Juli 2018, fragte er mich, ob mir für eine Ausstellung auf 26 Notenständern etwas einfalle. Nach dem Verwerfen zahlreicher anderer Ideen entschloss ich mich, das Wagnis einzugehen und mich diesem privaten Thema zuzuwenden. Nicht einmal ein Jahr später konnte ich, auch dank der Mithilfe des Grafikers und Szenografen Luca Hostettler, die Ausstellung realisieren. Zusätzlich erscheint eine digitale Edition der 26 Ausstellungshefte im Verlag Edition Taberna Kritika, wofür ich mich bei Hartmut Abendschein bedanke.

Andreas Schwab, im April 2019

Anderberg

Im Mai 2017 ist der Roman Anderberg im Offizin Verlag erschienen, heute erhältlich über den Verlag X-Time.

288 Seiten | gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-906276-58-8

Stimmen

„Und doch ist «Anderberg» kein schwermütiger, moralinsaurer Roman geworden, sondern vielmehr eine luftiges Konstrukt, welches unaufgeregt und fast schon ironisch menschliche Hybris dekonstruiert.“
Gisela Feuz, Luxus spendet keinen Trost, in: Der Bund, 5.7.2017 [PDF]

„«Anderberg» dreht sich rund um die Projektierung, die Finanzierung und die Realisierung des Hotels Panta Rhei und liest sich wie ein Krimi.“
Stef Stauffer, Hoch pokern und tief fallen, in: Berner Zeitung, 24.5.2017

„Fast alle Figuren des Romans «Anderberg» machen sich auf die Suche nach ihrem persönlichen Glück. Die Wege, die sie dafür beschreiten, sind sehr unterschiedlich. Manche finden Glück in der Familie, manche im Geld und Ansehen, andere in der Selbstverwirklichung, in der Kunst oder in der Religion – und manche jagen dem Glück trotz – oder gerade wegen? – aller Bemühungen erfolglos hinterher. Darüber können die Leserinnen und Leser nachdenken, sie müssen es aber nicht. Sie können sich auch einfach gut unterhalten mit «Anderberg».“
Jutta Vering, Das Leben ist anders in Anderberg, in: Der Wecker, April 2017 [PDF]

Fragebogen

Diesen Fragebogen füllte Marcel Proust in seinem Leben gleich zwei Mal aus. Ich habe ihn etwas an die heutige Zeit angepasst und erweitert:

Wo möchtest Du leben?
Ich lebe gerne hier. Aber manchmal zieht es mich auch in eine grössere Stadt, zum Beispiel nach Berlin.

Welche Fehler entschuldigst Du am ehesten?
Diejenigen, die aus gutem Willen gemacht wurden.

Deine liebsten Romanhelden?
Jakob der Lügner.* Aber generell bin ich Helden gegenüber jedoch skeptisch eingestellt. Und wo bleiben die Heldinnen?

Deine Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Martin Luther King.

Deine Lieblingsheldinnen / -helden in der Wirklichkeit?
Alle die sich gegen Ungerechtigkeiten mit Worten und Taten zur Wehr setzen.

Dein Lieblingskünstler?
Fischli/Weiss mit «Der Lauf der Dinge».

Deine Lieblingssängerinnen?
Zaz mit «Je veux», Camille mit «Ta douleur» Pamela Méndez mit «Stinky Feet»

Deine Lieblingsautoren aus der Schweiz?
Robert Walser, Max Frisch, Peter Bichsel, Pedro Lenz.

Deine Lieblingsautorinnen?
Monika Maron, Susan Sontag, Ulrike Edschmid.

Deine Lieblingsdichter?
Erich Kästner, Robert Gernhardt, Erich Jandl.

Drei bevorzugte Dialektlieder?
Mani Matter «Dene wos guet geit», Chlöisu Friedli «Tscharniblues», Züri West  «Fingt ds Glück eim?»

Welche Eigenschaften schätzt Du bei einer Frau am meisten?
Klugheit, Begeisterungsfähigkeit und Humor.

Welche Eigenschaften schätzt Du bei einem Mann am meisten?
Verlässlichkeit, Klugheit und Begeisterungsfähigkeit.

Deine Lieblingstugend?
Nicht aufzugeben.

Deine Lieblingsbeschäftigung?
Zeitung lesen, Velofahren.

Wer oder was hättest Du gerne sein mögen?
Ich bin ganz zufrieden in meiner Haut.

Drei Bücher, die mich faszinieren
Wilfried Meichtry «Verliebte Feinde», Uwe Timm «Der Freund und der Fremde», Ulrike Edschmid «Das Verschwinden des Philip S.»

Was schätzt Du bei Freunden am meisten?
Dass sie meine Freunde sind.

Dein grösster Fehler?
Ich reagiere manchmal zu schnell.

Was ist für Dich das vollkommene irdische Glück?
Gibt es das? Schöne Momente, etwa auf Berggipfeln, können dem vollkommenen Glück zumindest nahe kommen.

Dein Traum vom Glück?
Beständige Freundschaften.

Was ist für Dich das grösste Unglück?
Der Tod von Liebsten.

Deine Lieblingsfarbe?
Rot und Blau, die Farben des Tessins.

Deine Lieblingsblume?
Die Blümlein am Wegrand.

Dein Lieblingstier?
Ich mag Kühe auf Weiden.

Was verabscheust Du am meisten?
Gewalt.

Welche geschichtlichen Gestalten verachtest Du am meisten?
Alle Schlächter der Weltgeschichte, egal welcher politischen Couleur.

Welche militärischen Taten bewunderst Du am meisten?
Da bin ich in meiner Bewunderung generell zurückhaltend. Aber die Befreiung von Europa durch die Alliierten ab 1943 gehört dazu.

Welche Reform bewunderst Du am meisten?
Die Gewaltenteilung.

Welche natürliche Gabe möchtest Du besitzen?
Musikalisch zu sein.

Wie möchtest Du gerne sterben?
Mit mir selbst im Reinen.

Deine gegenwärtige Geistesverfassung?
Hellwach.

Schenke uns eine Lebensweisheit
Seid Realisten, verlangt das Unmögliche.

Tee oder Kaffee?
Am Morgen: Kaffee!

  * Als Politiker einen Lügner zum Vorbild zu nehmen, ist eine heikle Sache. Wer aber den Roman von Jurek Becker kennt, weiss, dass der Protagonist Jakob Heym die imaginären Radionachrichten aus dem zutiefst humanitären Beweggrund erzählt, die anderen vor der Verzweiflung zu bewahren.

Biografie

Andreas Schwab (*17. Juli 1971 in Bern) ist Historiker und
Ausstellungsmacher mit einem Lehrauftrag für Public History der
Universität Fribourg.
Er kuratierte zahlreiche Ausstellungen zu den Themen Alternativbewegungen, Körpergeschichte und Literatur.
Seit 2012 ist er Gemeinderat Ressort Bildung in Bremgarten bei Bern.


Veröffentlichungen
«Monte Verità – Sanatorium der Sehnsucht», Zürich 2003
«Landkooperativen Longo maï. Pioniere einer gelebten Utopie»,
Zürich 2013

Siehe ebenso unter Palma3