Aktuell

Im August 2021 erscheint im Verlag C.H. Beck das Buch «Zeit der Aussteiger. Eine Geschichte der Künstlerkolonien von Barbizon bis zum Monte Verità», für welches ich mehr als drei Jahre recherchiert habe.

Autorenfoto: Adrian Moser

Zeit der Aussteiger

Vorschautext
Von den 1830er Jahren an bis weit ins 20. Jahrhundert hinein machen
sich Menschen in ganz Europa auf, um Lebens- und Arbeitsgemeinschaften
fernab der großen Städte in naturnaher, schöner, zuweilen auch wilder
Umgebung zu gründen. Das Leben in den Künstlerkolonien, von Barbizon,
der Mutter aller Künstlerkolonien, über Capri und Worpswede bis Ascona,
ist von bewusster Abgrenzung zur bürgerlichen Gesellschaft bestimmt. Die
Aussteiger suchen eine Gegenwelt zur Dichte und zum Konkurrenzdruck in
den Städten, zum übersteigerten Nationalismus und dem allgegenwärtigen
Krisengefühl. Ohne große soziale Kontrolle entwickeln sich neue
Lebensstile, die sich erst deutlich später in der gesamten Gesellschaft
durchzusetzen beginnen, manche von ihnen erst im 21. Jahrhundert. Dazu
gehören die Frauenemanzipation und das Spiel mit verschiedenen
Geschlechterrollen ebenso wie das offene Ausleben einer freieren Sexualität.

Mit der Zeit entsteht ein Netzwerk von Subkulturen, das von Skagen an
der Nordspitze Jütlands bis nach Tanger an der marokkanischen Küste, von
der Finistère, der äußersten Spitze der Bretagne, bis nach Korfu reicht.
Nicht selten kommt es sogar vor, dass Künstlerinnen und Künstler von
einem Aussteigerort zum andern pendeln. Darunter sind regelrechte Stars,
aber auch nur Eingeweihten bekannte Malerinnen wie Helene Schjerfbeck
oder zu Unrecht vergessene Schriftstellerinnen wie Maria Lazar. Der
Schweizer Autor und Ausstellungsmacher Andreas Schwab hat sie zu einem
Reigen arrangiert: Elf Personen, darunter Alma Mahler-Werfel, Artur
Schnitzler und Truman Capote, führen uns in zehn verschiedene
Künstlerkolonien. Nach einer Zeit des Aufenthalts, in der wir in die
besondere Atmosphäre von Pont-Aven, Altaussee oder Taormina eintauchen,
machen wir uns, mit einer dort lebenden Person in die nächste Kolonie
auf – bis wir am Ende des Reigens auf dem Monte Verità angelangen, wo
uns der «wilde Denker» Harald Szeemann in Empfang nimmt.

Anderberg

Im Mai 2017 ist der Roman Anderberg im Offizin Verlag erschienen, heute erhältlich über den Verlag X-Time.

288 Seiten | gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-906276-58-8

Stimmen

„Und doch ist «Anderberg» kein schwermütiger, moralinsaurer Roman geworden, sondern vielmehr eine luftiges Konstrukt, welches unaufgeregt und fast schon ironisch menschliche Hybris dekonstruiert.“
Gisela Feuz, Luxus spendet keinen Trost, in: Der Bund, 5.7.2017 [PDF]

„«Anderberg» dreht sich rund um die Projektierung, die Finanzierung und die Realisierung des Hotels Panta Rhei und liest sich wie ein Krimi.“
Stef Stauffer, Hoch pokern und tief fallen, in: Berner Zeitung, 24.5.2017

„Fast alle Figuren des Romans «Anderberg» machen sich auf die Suche nach ihrem persönlichen Glück. Die Wege, die sie dafür beschreiten, sind sehr unterschiedlich. Manche finden Glück in der Familie, manche im Geld und Ansehen, andere in der Selbstverwirklichung, in der Kunst oder in der Religion – und manche jagen dem Glück trotz – oder gerade wegen? – aller Bemühungen erfolglos hinterher. Darüber können die Leserinnen und Leser nachdenken, sie müssen es aber nicht. Sie können sich auch einfach gut unterhalten mit «Anderberg».“
Jutta Vering, Das Leben ist anders in Anderberg, in: Der Wecker, April 2017 [PDF]

Fragebogen

Diesen Fragebogen füllte Marcel Proust in seinem Leben gleich zwei Mal aus. Ich habe ihn etwas an die heutige Zeit angepasst und erweitert:

Wo möchtest Du leben?
Ich lebe gerne hier. Aber manchmal zieht es mich auch in eine grössere Stadt, zum Beispiel nach Berlin.

Welche Fehler entschuldigst Du am ehesten?
Diejenigen, die aus gutem Willen gemacht wurden.

Deine liebsten Romanhelden?
Jakob der Lügner.* Aber generell bin ich Helden gegenüber jedoch skeptisch eingestellt. Und wo bleiben die Heldinnen?

Deine Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Martin Luther King.

Deine Lieblingsheldinnen / -helden in der Wirklichkeit?
Alle die sich gegen Ungerechtigkeiten mit Worten und Taten zur Wehr setzen.

Dein Lieblingskünstler?
Fischli/Weiss mit «Der Lauf der Dinge».

Deine Lieblingssängerinnen?
Zaz mit «Je veux», Camille mit «Ta douleur» Pamela Méndez mit «Stinky Feet»

Deine Lieblingsautoren aus der Schweiz?
Robert Walser, Max Frisch, Peter Bichsel, Pedro Lenz.

Deine Lieblingsautorinnen?
Monika Maron, Susan Sontag, Ulrike Edschmid.

Deine Lieblingsdichter?
Erich Kästner, Robert Gernhardt, Erich Jandl.

Drei bevorzugte Dialektlieder?
Mani Matter «Dene wos guet geit», Chlöisu Friedli «Tscharniblues», Züri West  «Fingt ds Glück eim?»

Welche Eigenschaften schätzt Du bei einer Frau am meisten?
Klugheit, Begeisterungsfähigkeit und Humor.

Welche Eigenschaften schätzt Du bei einem Mann am meisten?
Verlässlichkeit, Klugheit und Begeisterungsfähigkeit.

Deine Lieblingstugend?
Nicht aufzugeben.

Deine Lieblingsbeschäftigung?
Zeitung lesen, Velofahren.

Wer oder was hättest Du gerne sein mögen?
Ich bin ganz zufrieden in meiner Haut.

Drei Bücher, die mich faszinieren
Wilfried Meichtry «Verliebte Feinde», Uwe Timm «Der Freund und der Fremde», Ulrike Edschmid «Das Verschwinden des Philip S.»

Was schätzt Du bei Freunden am meisten?
Dass sie meine Freunde sind.

Dein grösster Fehler?
Ich reagiere manchmal zu schnell.

Was ist für Dich das vollkommene irdische Glück?
Gibt es das? Schöne Momente, etwa auf Berggipfeln, können dem vollkommenen Glück zumindest nahe kommen.

Dein Traum vom Glück?
Beständige Freundschaften.

Was ist für Dich das grösste Unglück?
Der Tod von Liebsten.

Deine Lieblingsfarbe?
Rot und Blau, die Farben des Tessins.

Deine Lieblingsblume?
Die Blümlein am Wegrand.

Dein Lieblingstier?
Ich mag Kühe auf Weiden.

Was verabscheust Du am meisten?
Gewalt.

Welche geschichtlichen Gestalten verachtest Du am meisten?
Alle Schlächter der Weltgeschichte, egal welcher politischen Couleur.

Welche militärischen Taten bewunderst Du am meisten?
Da bin ich in meiner Bewunderung generell zurückhaltend. Aber die Befreiung von Europa durch die Alliierten ab 1943 gehört dazu.

Welche Reform bewunderst Du am meisten?
Die Gewaltenteilung.

Welche natürliche Gabe möchtest Du besitzen?
Musikalisch zu sein.

Wie möchtest Du gerne sterben?
Mit mir selbst im Reinen.

Deine gegenwärtige Geistesverfassung?
Hellwach.

Schenke uns eine Lebensweisheit
Seid Realisten, verlangt das Unmögliche.

Tee oder Kaffee?
Am Morgen: Kaffee!

  * Als Politiker einen Lügner zum Vorbild zu nehmen, ist eine heikle Sache. Wer aber den Roman von Jurek Becker kennt, weiss, dass der Protagonist Jakob Heym die imaginären Radionachrichten aus dem zutiefst humanitären Beweggrund erzählt, die anderen vor der Verzweiflung zu bewahren.

Biografie

Andreas Schwab (*17. Juli 1971 in Bern) ist Historiker und
Ausstellungsmacher mit einem Lehrauftrag für Public History der
Universität Fribourg.
Er kuratierte zahlreiche Ausstellungen zu den Themen Alternativbewegungen, Körpergeschichte und Literatur.
2012-2019 war Gemeinderat Ressort Bildung von Bremgarten bei Bern, seit 2020 Gemeindepräsident.

Siehe ebenso unter Palma3 und 3047.ch