Fragebogen

Diesen Fragebogen füllte Marcel Proust in seinem Leben gleich zwei Mal aus. Ich habe ihn etwas an die heutige Zeit angepasst und erweitert:

Wo möchtest Du leben?
Ich lebe gerne hier. Aber manchmal zieht es mich auch in eine grössere Stadt, zum Beispiel nach Berlin.

Welche Fehler entschuldigst Du am ehesten?
Diejenigen, die aus gutem Willen gemacht wurden.

Deine liebsten Romanhelden?
Jakob der Lügner.* Aber generell bin ich Helden gegenüber jedoch skeptisch eingestellt. Und wo bleiben die Heldinnen?

Deine Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Martin Luther King.

Deine Lieblingsheldinnen / -helden in der Wirklichkeit?
Alle die sich gegen Ungerechtigkeiten mit Worten und Taten zur Wehr setzen.

Dein Lieblingskünstler?
Fischli/Weiss mit «Der Lauf der Dinge».

Deine Lieblingssängerinnen?
Zaz mit «Je veux», Camille mit «Ta douleur» Pamela Méndez mit «Stinky Feet»

Deine Lieblingsautoren aus der Schweiz?
Robert Walser, Max Frisch, Peter Bichsel, Pedro Lenz.

Deine Lieblingsautorinnen?
Monika Maron, Susan Sontag, Ulrike Edschmid.

Deine Lieblingsdichter?
Erich Kästner, Robert Gernhardt, Erich Jandl.

Drei bevorzugte Dialektlieder?
Mani Matter «Dene wos guet geit», Chlöisu Friedli «Tscharniblues», Züri West  «Fingt ds Glück eim?»

Welche Eigenschaften schätzt Du bei einer Frau am meisten?
Klugheit, Begeisterungsfähigkeit und Humor.

Welche Eigenschaften schätzt Du bei einem Mann am meisten?
Verlässlichkeit, Klugheit und Begeisterungsfähigkeit.

Deine Lieblingstugend?
Nicht aufzugeben.

Deine Lieblingsbeschäftigung?
Zeitung lesen, Velofahren.

Wer oder was hättest Du gerne sein mögen?
Ich bin ganz zufrieden in meiner Haut.

Drei Bücher, die mich faszinieren
Wilfried Meichtry «Verliebte Feinde», Uwe Timm «Der Freund und der Fremde», Ulrike Edschmid «Das Verschwinden des Philip S.»

Was schätzt Du bei Freunden am meisten?
Dass sie meine Freunde sind.

Dein grösster Fehler?
Ich reagiere manchmal zu schnell.

Was ist für Dich das vollkommene irdische Glück?
Gibt es das? Schöne Momente, etwa auf Berggipfeln, können dem vollkommenen Glück zumindest nahe kommen.

Dein Traum vom Glück?
Beständige Freundschaften.

Was ist für Dich das grösste Unglück?
Der Tod von Liebsten.

Deine Lieblingsfarbe?
Rot und Blau, die Farben des Tessins.

Deine Lieblingsblume?
Die Blümlein am Wegrand.

Dein Lieblingstier?
Ich mag Kühe auf Weiden.

Was verabscheust Du am meisten?
Gewalt.

Welche geschichtlichen Gestalten verachtest Du am meisten?
Alle Schlächter der Weltgeschichte, egal welcher politischen Couleur.

Welche militärischen Taten bewunderst Du am meisten?
Da bin ich in meiner Bewunderung generell zurückhaltend. Aber die Befreiung von Europa durch die Alliierten ab 1943 gehört dazu.

Welche Reform bewunderst Du am meisten?
Die Gewaltenteilung.

Welche natürliche Gabe möchtest Du besitzen?
Musikalisch zu sein.

Wie möchtest Du gerne sterben?
Mit mir selbst im Reinen.

Deine gegenwärtige Geistesverfassung?
Hellwach.

Schenke uns eine Lebensweisheit
Seid Realisten, verlangt das Unmögliche.

Tee oder Kaffee?
Am Morgen: Kaffee!

  * Als Politiker einen Lügner zum Vorbild zu nehmen, ist eine heikle Sache. Wer aber den Roman von Jurek Becker kennt, weiss, dass der Protagonist Jakob Heym die imaginären Radionachrichten aus dem zutiefst humanitären Beweggrund erzählt, die anderen vor der Verzweiflung zu bewahren.